Heute ist ein schrecklicher Tag. Eigentlich waren alle letzten Tage schrecklich.
Ich habe erneut einen Ablehungsbescheid bekommen - mit einem 2,3 Abi. Lehramt. Als hätte ich wirklich geglaubt das ich das Glück haben könnte genommen zu werden. Die Hoffnung hatte ich. Und die ist gestorben. Wer kennt das nicht? Die heutige Suche nach dem Zukunftsweg ist unendlich und alles andere als unbeschwerlich... Wem das zufliegt der hat verdammt Glück, denn es liegt heute nicht mehr nur an guten Noten ob Du das wirst, oder vielmehr werden kannst, was Du auch werden willst. Nach dem Abi haben viele ein Stimmungstief, das konnte ich erst glauben als ich es selbst erfahren musste.
Um nicht zu weit abzudriften: Ich weiß was ich will ( und damit bin ich einen Schritt weiter als viele andere... ), wenn auch noch nicht lange, habe aber anscheinend nicht die Qualifikation das auch zu erreichen.
Alles andere kommt für mich nur Bedingt in frage... Weil ich eben nichts anderes kann als das was ich machen will. So dumm das klingt. Ich habe mich in den letzten Monaten an zwei Schauspielschulen beworben, an zwei Kunsthochschulen mit Mappen, jedes Jahr an der UNI für einen Studiengang und bin wie schon erwähnt nur bei einem zugelassen worden der mich nicht weiterbringt, den ich aber nun löchrig besuche um nicht wieder in die Arbeitslosigkeit abzurutschen. Nun muss man wissen das ich enormen Druck ausgesetzt bin... Meine Mutter. Sie ist kompetent, intelligent und meiner Meinung nach beruflich erfolgreich.
Doch sie zahlt wirklich nicht gerne Unterhalt, und das muss sie neben meinem Bafög leider staatlich gesehen.
Doch das passt ihr nicht. Sie hat erst argumentiert das ich zu alt werde und endlich was machen soll ( zwei Wochen nach dem Abi... ). Dann habe ich 1 1/2 Jahre den Kontakt abgebrochen, weil sie mich so unter Druck setzte. Nachdem ich wieder auf sie zukam, und da gerade wegen eines Unfalls in die Arbeitslosigkeit gerutscht war, habe ich mich dann auf diesen Studiengang beworben und wurde genommen. Das war dann auch erstmal zwei Wochen ganz nett für sie, doch dann kam das ich kein eigenes Geld verdiene und das sie nicht ewig für mich zahlen könne. Streit Streit Streit... In dem ich mich so gut wie garnicht verteidigen kann weil ich ja eh immer Unrecht habe, bzw. mir nicht zugehört wird. Denn ich mache das generell absichtlich aus Bequemlichkeit das ich mich von meinen Eltern finanzieren lasse ohne selbst zu schuften. Also habe ich trotz massiver psychischer Probleme einen Nebenjob gesucht und gefunden. Ich habe fast jeden Tag 12 Stunden gearbeitet, zeitweise 6 Tage hintereinander, um bloß viel Geld ranzuholen. Da ich spekuliert hatte einen Therapieplatz zu bekommen und dann aber doch ein halbes Jahr warten musste hatte ich nur einen Kurs gewählt den ich nie besuchte, um "Präsenz" zu zeigen an der Uni, aber auch zur Therapie gehen zu können.
Daher konnte ich statt der Therapie alles mit Arbeitszeit füllen. Während andere ihre Semesterferien und das gute Wetter genossen stand ich 12 Stunden an einem Außenstand und verkaufte.
Ich will kein Mitleid, denn das machen viele Menschen - und ich habe es genossen mal zu etwas Nütze zu sein: Aber meine Mutter war wieder nicht zufrieden. Diesmal war es das Problem das ich arbeitete und das Studium nicht mehr verfolgte. Ich konnte es ihr nicht Recht machen. Wenn ich studierte sollte ich arbeiten, wenn ich arbeitete sollte ich studieren. Kurz um führt das dazu das nicht ich das Problem bin sondern das es das Geld ist was sie für mich zahlen muss und was sie dann nicht mehr hat. Sie betont zwar das sie für "etwas Sinnvolles" gerne finanzielle Unterstützung leisten würde... Aber es ist doch sinnvoll zu studieren? Sich zu bewerben? Am Anfang habe ich mein Studium ernst genommen und es hat ihr auch nicht gepasst. Heute hat sie rausgekriegt das ich in meinem Wunschstudiengang II ( Alias Plan B ) nicht genommen wurde. Und sie hat das Gleiche erzählt wie schon vor Monaten.. Das sie nicht ewig für mich zahlen kann. Ihr glaubt nicht wie sehr mich das runterzieht. Ich weiß das ich älter werde. Ich komme mir nutzlos vor und wie ein Versager... Aber muss meine Mutter da wirklich immer drauf rumtrampeln obwohl sie weiß das ich mir dessen bewusst bin? Sie sieht nur die Ergebnisse. Der Weg interessiert sie nicht, das muss alles schnell gehen. Immer muss alles schnell gehen. Deswegen hat sie sich auch beim Umzug ne Glasplatte in den Fuß gerammt, weil sie den Tisch in einem Stück alleine tragen wollte anstatt zweimal zu gehen und die Einzelteile zu tragen.
Ich hatte eben wieder das Verlangen aufs Gaspedal zu drücken und einfach immer schneller zu fahren.
Und dann irgendwo gegen zu fahren in der Hoffnung durch den Aufprall möglichst schnell zu sterben.
Sonst habe ich das bei einfahrenden Zügen. Oder bei Fenstern. Eine Art Sog der mich rauszieht. Ich überlege in Sekunden und habe dann immer einen leichten Schwenk zu springen. Im letzten Moment wenn ich mich entscheiden muss sage ich mir immer wieder HÖR AUF DAMIT DAS IST DUMM.
Und bis jetzt hat das auch immer geklappt.
Nur weil Du noch keinen missglückten Suizidversuch hattest heißt es nicht das Du nicht suizidgefährdet bist.
Die frühen Zeichen zu erkennen schafft nicht jeder und sich zu überwinden zuzugeben auch nicht. Man will nicht selbstmitleidig sein, aber man kann auch nicht abstreiten das es einem schlecht geht. Man malt sich hochdramatisch aus wie es wäre zu sterben und sieht sich aus den Augen eines anderen tot und blutend am Boden liegen. Und das merkwürdige daran ist das es einem Zufriedenheit verschafft wenn man dann denkt JA DA IST DIR DANN BESTIMMT EGAL DAS DU ZAHLEN MUSSTEST.
Denn wenn die Menschen sterben und einfach weg sind wird man auf einmal immer ganz einsichtig und minimalistisch. Man redet viel und in großen Tönen, viele nutzen das dann immernoch um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Es gibt Menschen die wirklich trauern. Und Menschen die das gerne tun weil sie dann einen Grund haben zu sagen das es Ihnen schlecht geht, das sie Urlaub brauchen, eine Therapie und Nachsicht von den Umstehenden. Ich rede wirklich von speziellen Fällen, die übertherapiert sind, sich selbst Jahre lang therapiert haben und viele Ratgeber mit dem Namen "Sag Nein! Du darfst das!" und "Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben - Gesunden Egoismus erlernen!" gelesen haben.
Alles ist im Überfluss irgendwann nicht mehr heilsam. Egozentrik ist was anderes als Egoismus. Und wenn man nicht aufpasst und ab und zu auch mal zurückrudert, ein gesundes Mittelmaß findet, dann wird man schnell egozentrisch weil man sich sagt "Ich habe immer alles gemacht was die von mir wollten. Ich muss nicht mehr Ja sagen. Ich bin wichtig.". Manchmal muss man Ja sagen. Manchmal muss man nachgeben. Manchmal muss man hinten an stehen. Oh ja, leben ist schwierig.
Nachdem ich abermals ganz egoistisch rausschreien wollte wie schlecht es mir geht und meinem besten Freund am liebsten die Ohren vollgeheult hätte habe ich entschieden das es besser ist das hier zu schreiben. Schreiben ist Balsam und manchmal vollkommen ausreichend.
Und mein bester Freund hat gerade Spaß bei einer Wasserschlacht, da möchte ich ihn nicht mit meinem Käse beunruhigen, langweilen, abschrecken. Das meine ich ernst. Ich freue mich wirklich wenn es meinen Freunden gut geht, vorallem denen den es sonst auch nicht sehr gut geht. Es beruhigt mich und macht mich froh das sie ihre Freude mit mir teilen wollen. Und ich höre generell lieber fröhlich lachende Freunde den Tagesablauf schildern als betrübte grübelnde, die meinem ständig widerkehrenden Problemen lauschen.
Nachdem ich nun ein wenig Wut aus meinem Bauch geschrieben habe geht es mir besser.
Ich weiß das sich alles ändern wird. Ich weiß zum Beispiel, auch wenn das sehr hart klingt und so nicht gemeint ist, dass meine Mutter irgendwann meine Hilfe brauchen wird und das sie irgendwann sterben wird.
Daran denke ich manchmal. Irgendwann wird sie dankbar sein das es mich gibt. Wahrscheinlich wird sie immernoch rumzicken, meine Oma war auch nicht anders. Aber es gibt diesen finalen Moment vor dem Tod an dem sich alle entschuldigen und besonders lieb zueinander sind. Bitte versteht mich nicht falsch, ich beziehe das jetzt wirklich nur auf mein Problem, nicht auf die Allgemeinheit. Ich bin einfach ehrlich was ich gerade denke: Dieser Moment, wenn er denn kommt, wird offenbaren was hinter ihrer Fassade steckt. Ich kenne schon vieles von ihr weil sie damit sehr offen ist - aber ein kleiner Funken ist da den sie immer wieder versteckt. Als sie mich und meine Schwester damals betrunken angegriffen hat und ich daraufhin ausgezogen bin hat sie hinterher ein Mördergewissen gehabt und das auch immer erzählt. Als ich sie aus einer brennenden Wohnung gezogen habe, mit 12 Jahren, da hat sie hinterher das Leben gelobt und an Engel geglaubt.
Doch immer wieder kam eine Mauer zum Vorschein die sie schnell wieder vorschiebt weils ja schnell weitergehen muss. Burn Out, Arbeiten, zuviel arbeiten, Urlaub machen, Burn Out. So in etwa ist die Statistik ihres Lebens. Sorry wenn das hart klingt, aber es ist eben Wut die gerade aus mir spricht.
Ich liebe sie, aber sie verletzt mich oft und erst wenn Leben in Gefahr sind wird sie zahm und einsichtig.
Diesen Menschen würde ich gerne ohne Gewalteinwirkung öfter sehen. Den entspannten, der nicht alles auf die Goldschale legt und mit Zuckerwatte gegen Diamanten abwägt.
Und dieser Mensch kommt bei uns allen auf dem Sterbebett zum Vorschein.
Der wahre Mensch der wir sind. Den wir über das Kindesalter hinaus zu verstecken lernen um uns anzupassen. Im Alter wird jeder zum wieder zum Kind. Das stimmt. Und dieser Moment ist es auf den ich manchmal baue. Und der mich davon abhält wegen IHR mein Leben zu beenden. Was irgendwie auch melodramatisch wäre. Es geht ja schließlich um MICH. UPS! Egoismus! Egozentrik! Scheiß drauf, in diesem Moment entscheide ich mich für den Seelenbalsam fürs Ego. Sonst fahre ich gleich wieder mit dem Auto los.
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