Eigentlich verbirgt sich dahinter keine Kunst. Es ist lediglich der irre Glaube daran das die Welt doch nicht so schlecht ist wie man immer denkt. In meinen Augen sind die Menschen oberflächlich, kalt und egozentrisch. Jeder Mensch ist letztlich egozentrisch - das ist mutig das zu behaupten, ich weiß. Aber ich sehe das philosophisch: Alles was wir tun machen wir aus bestimmten Gründen. Wenn wir jemanden lieben und ihm/ihr ein Geschenk machen, dann machen wir das weil wir ihm/ihr eine Freude machen wollen und uns dann mit ihm freuen. Das sehe ich ganz genauso. Aber wir machen es auch weil es uns dadurch gut geht. Bitte versteht mich nicht falsch - wir sind nicht alle Schweine die uns am wichtigsten nehmen. Ich spreche von gesundem Egoismus. Aber eben letztlich auch dem Knackpunkt das wir alles auch für uns machen. Auch wenn wir denken es sei Nächstenliebe. Ich will darauf hinaus das die Menschen einem manchmal kalt vorkommen, und auch wenn sie es nicht sind grübelt man manchmal zuviel darüber ob sie es wirklich ernst mit einem meinen. Oder einen doch nur ausnutzen. Ob man vielleicht selbst nur ausnutzt ohne es zu merken und man das Gefühl hat nicht genügend zurückzugeben. Alles ein Teufelskreis. Letztlich führt das ganze Gewirr aus schlechtem Gewissen und "unbedingt-Gutes-Tun" dazu das wir uns schlecht fühlen. Weil wir den Anforderungen nicht gerecht werden können. Weil andere Menschen uns das Gefühl geben das wir das nicht können. Weil wir uns minderwertig fühlen. Weil wir uns gerne mehr Gutes tun würden, aber auch denken das wir nicht so egoistisch sein dürfen etwas nur für uns zu tun. Mir geht es so. Wenn ich der Meinung bin ich müsse einer Freundin unbedingt etwas sagen was mich verletzt hat und sie selber das gar nicht bemerkt hat streite ich mit meinem Gewissen um die Wette. Es geht dann darum das ich sie nicht verletzen will. Aber ich will auch nicht weiterhin so tun als wäre alles gut und mich damit verletzen. So knallt es hin und her und ich schwanke zwischen SEI NICHT SO EGOISTISCH und SAG WAS DU DENKST, DU DARFST DAS.
Das ist wie in einigen Märchenerzählungen. Beharrlich wartet das junge Mädchen darauf das die Welt sich ändert. Sie hat sich nie was zu Schulden kommen lassen und trällert melancholische Liedchen wenn sie alleine den Fußboden schrubbt. Sie wartet auf Mr.Right der irgendwann bestimmt vorbeikommt und sie von allen Sorgen erlöst. Sie sagt nicht was Sie plagt sondern erträgt schweigend bis die Gerechtigkeit siegt.
Trotzdem leidet sie. Und macht ihrem Ärger keine Luft. Aber in Märchen weiß man ja als Außenstehender das alles gut wird, ein Happy End bevorsteht. Nun der Unterschied: Das ist leider nicht im realen Leben so.
Ich möchte die Überschrift nicht entkräften, und auch niemandem die Illusionen nehmen, aber wir sind dazu verpflichtet, uns selbst gegenüber, unsere Meinung zu sagen. Wenn uns etwas bekümmert müssen wir Selbstlose eben mal über den Schatten springen und unserem Ärger Luft machen. Keine Angst vor den Konsequenzen. Können die schlimmer sein als das was man bisher gefühlt hat? Ja? Dann muss man wohl weiter leiden und an das Gute glauben. Ich für meinen Teil als hoffnungslos Romantische glaube an märchenhafte Happy Ends. Aber man muss etwas dafür tun. HIer kommen wir also zum märchenhaften Teil des Eintrags: Die Kunst aus allem ein Märchen zu machen.
Wenn es Dir schlecht geht und Du das Gefühl hast alles hat keinen Sinn mehr, das es nichts bringt, dass Du eigentlich keinen Grund mehr hast auf dieser Welt dein Dasein zu fristen, dann hilft Dir nichts anderes außer dein eigener Mut. Ohne deinen eigenen Antrieb schaffst Dus nicht. Ich denke das das jeder weiß. Es ist allerdings umso schwerer das zu befolgen. Daher nenne ich ein Beispiel an meinem Leben:
Ich bin hochgradig depressiv, habe suizidale Gedanken und einige tiefe Schlaglöcher in meinem Leben.
Ich habe keine Kraft mehr, ich habe keine Hoffnung mehr. Aber ich mache.
Ich mache nicht aus einem unsichtbaren Antrieb heraus weil ich auf den Tod warte.
Ich mache weil ich weiß das es Dinge gibt für die es sich lohnt zu leben und glücklich zu sein.
Meine Freunde. Meine Talente. Menschen die statt grimmig zu schauen und dich zu beleidigen nett lächeln wenn Du an Ihnen vorbei läufst.
Ich könnte jeden Tag aufs Neue aufgeben. Aber ich gebe mir Mühe weiterzumachen. Ihr könnt mir glauben das ich jeden Tag mindestens 5 gute Gründe finde meinem Leben ein Ende zu bereiten.
Aber ich tu's nicht. Und das zeigt mir das ich noch Hoffnung habe.
Und Hoffnung ist etwas unglaublich Starkes. Das kann dein Leben retten.
Ich muss zugeben, hätte ich meine Freunde nicht, und ich rede nicht von den 578 Facebookfratzen, ich rede von denen die man an einer Hand abzählen kann, dann wäre ich schon längt weg vom Fenster.
Damals hat mich der Arzt gefragt was mich davon abhält mich umzubringen.
Da habe ich gesagt, das ich nicht für mich lebe, sondern für meine Freunde. Und das ich weiß das es Ihnen schlecht gehen würde wenn ich nicht mehr da wäre. Da ich weiß das da auch Egoismus drinsteckt ergänze ich meine damalige Aussage: Ich benutze meine Freunde als Grund zum leben. Ich nehme sie als Argument das ich mich nicht umbringe, um mir nicht eingestehen zu müssen das ich nicht sterben will.
Soweit gedacht bemerkt man das ich leben will. Eigentlich. Das mir nur der Mut fehlt. Die Kraft.
Kann es mir nicht egal sein, das, wenn ich tot bin, meine Freunde um mich weinen? Ich bin immerhin tot. Also weg. Und habe mit den Überbleibseln nichts mehr am Hut. Nein. Das ist mir nicht egal. Weil ich dabei sein will wenn Sie lachen, weil mitmachen will wenn Sie feiern, weil ich sie trösten will wenn sie weinen.
All das führt mich zum Mut. Meine Freunde sind meine Quelle für den Mut weiterzuleben. Nicht aufzugeben. Und mir zu sagen: ,, Reiß Dich zusammen Mädel!". Hab ich schon erwähnt das ich im Oktober in stationäre Behandlung gehe? :) Das ist keinesfalls schlecht. Ich habe gut und gerne 16 Jahre gewartet seit meiner ersten Depression, habe mich immer wieder selbst runtergemacht das ich das nicht brauche und keine Zeit dafür habe. Nun bin ich egoistisch. Ich nehme mir drei Monate nur für mich. Werde bis zum Ermüden über meine Probleme sprechen und versuchen Lösungsansätze zu finden. Ich bin sehr instabil, aber ich gebe mir Mühe. Auch wenn ich mit meinen Freunden momentan nicht darüber rede - das halte ich aus, weil ich weiß das ich bald ohne Ende darüber sprechen kann ohne jemanden damit zu belasten der persönlich mit mir im Kontakt steht. Ich versuche mir mein eigenes Märchen zu schaffen. Die Kunst darin liegt darin sich selber lieben zu lernen, verstehen zu lernen und vorallem den Mut zu haben sich helfen zu lassen und die Strapazen auf sich zu nehmen. Viele schrecken davor zurück und putzen weiter den Boden bis ins Endlose, bis sie merken das da nichts kommt, kein Prinz, keine Gerechtigkeit, Und dann bringen sie sich um weil es keinen Sinn hat. Ich kann das sehr gut verstehen. Trotzdem muss man sich zwingen es zu versuchen. Wenigstens versuchen. Das tut sehr weh. Weil man seine eigene Schwäche offenbart und eben nicht gerettet wird ohne was dafür zu tun.
Der Weg zu einem Happy End ist aber leider mit viel Arbeit verbunden. Mut, Fleiß und Stärke bringen Dich dahin. Und ich bin davon überzeugt das es irgendwie, egal wie stark und egal in welcher Form, belohnt wird sich für sich selbst so engagiert zu haben. Die Kunst des Märchens ist die Liebe. Vorallem sich selbst zu lieben. Liebst Du Dich selbst nicht, kannst Du niemand anderen lieben. Sei ehrlich. Das geht nicht. Und willst Du Folgen beseitigen, dann gehe zuerst an die Ursachen. Niemand wischt nach einem Wasserrohrbruch das Wasser auf wenn die Leitung noch nicht zugedreht ist oder repariert. Also: Deinen Mut finden, an die Ursachen gehen, auch wenn es schmerzhaft ist, diese beseitigen oder lernen mit Ihnen umzugehen, dann die Folgen bearbeiten. Das wäre, um es amüsanter zu machen, bei Cinderella wohl so: Erkennen das man ein Lakai ist obwohl die Hütte dem Vater gehörte, sagen das man da nicht mitmacht und ausziehen bzw. sich einen neuen Job suchen ( ob ich nun bei meiner ollen Stiefmutter putze oder bei der Nachbarin... ), zur Ruhe kommen und sich mit sich selbst auseinandersetzen, nicht vom Tanz mit dem Prinz träumen, Kleider von Mäusen schneidern lassen und auf Feen warten - sondern selbst aktiv werden und ein Kleid besorgen, zufrieden ab ins Schloss, den Prinzen knutschen, wieder nach Hause gehen und den angelockten Mann kommen lassen. BUMMS. Großes Happy End. Ohne unnötige Melancholie. Ja ist ok. Das ist nicht ganz so romantisch. Aber wir haben ja auch von Realität gesprochen, in den seltensten Fällen sucht ein Mann im ganzen Land nach Dir. Und was nach der Hochzeit so passiert haben wir auch nie erfahren.
Kurzum: Sei realistisch und tu was, behalte aber auch deine Träume vor Augen um weiterleben zu können.
Es gibt nichts fantastischeres als zu träumen und sich das Kindliche zu bewahren.
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