Ich habe schon einiges versucht umzusetzen. Wirklich. Es gibt Jungerwachsene die sitzen einfach nur rum und tun gar nichts, entweder weil sie einfach keine Lust haben, oder weil sie wirklich paralysiert sind von all dem Unheil das um einen herumtanzt. Ich für meinen Teil wusste immer das ich träumerisch gesehen Schauspielerin im Theater sein möchte, Bestsellerautorin und Synchronsprecherin. Realistisch gesehen hatte ich keine Ahnung was ich machen sollte nach der Schule. In meiner Verzweiflung habe ich ein FSJ ( Freiwilliges Soziales Jahr ) gemacht... Bin aber leider nach gut 4 Monaten so auf die Fresse gefallen das ich nen Kreuzbandriss hatte. Ich hatte gerade begonnen mich im Arbeitsleben ein wenig einzuordnen und auszuprobieren. Tja. Gut eineinhalb Jahre hatte ich ne Sperre. Alles musste operiert werden, ausheilen, postoperativ behandelt werden... Und deshalb rutschte ich in die Arbeitslosigkeit... Und in eine Hartz IV Maßnahme ( was im Nachhinein für meinen Lebenslauf totaler Mist, aber für meine sozialen Kontakte eine Bereicherung war ;) ).
Man muss wissen das ich mich vorher auch ehrenamtlich in der evangelischen Jugend engagierte. Ich leitete eine Kindergruppe, dann eine Jugendgruppe.
Aber leider kam dann ein Tief, und ich wusste gar nicht mehr was ich machen sollte.
Ich glaube ich bin seit der Grundschule depressiv. Keine Ahnung ob das jetzt jemand nachfühlen kann... Aber es gab damals eine Situation, mein Kumpel übernachtete bei mir, und von einen auf den anderen Moment fühlte ich mich elendig hilflos und traurig, als würde man mich in ein Loch ziehen... Ich konnte das nicht einordnen - schlief aber bei meiner Mutter weil ich solche Angst hatte. Da fing alles an.
Von da an was ich Pessimist, auch wenn ich Optimisten beneidete.
Ich wurde aggressiver. Ich fing an mich zu hassen.
Ich gab mir die Schuld an allem. Wenn mich Leute hänselten rastete ich aus, dachte aber gleichzeitig immer daran das ich mich verstecken müsste damit die mich nicht wieder angreifen würden.
Verstecken. NIEMAND sollte sich so fühlen müssen. Sich hasserfüllt einreden das er im Leben keinen Platz hat, zu hässlich ist um mit den anderen zusammen zu sein, zu nutzlos, zu schwach, zu langsam, zu groß, zu dick, zu dünn....! Manchmal ist die Menschheit ein riesengroßes Arschloch.
Während der Maßnahme jedoch erkannte ich das ich Lehrerin werden wollte. Ich bildete mir ein das es mir mehr Sicherheit im Leben geben würde - zudem wusste ich wie sehr ich gelitten hatte in der Grundschule, wie wenig Beachtung man bekam als schweigendes kleines Mädchen.
Und ich setzte mir zum Ziel in die Position zu gelangen in der ich Kindern beibringen könnte schon sehr früh zu lernen das man niemandem weh tut so wie ich es erfahren musste. Ich wollte diejenige Lehrerin werden die sich vor das nervöslachende Mädchen stellt die nicht weiter als 1 Meter springen konnte. Ich wollte diejenige werden die schüchternen Schülern mit versteckter Begabung zeigt das sie eines Tages erwachsen sein werden, das aller Frust irgendwann ein Ende hat und das die Schule nicht ewig geht.
Das aus einer aggressiven, pummeligen Grundschülerin eine lustige, kreative und beliebte Stufensprecherin werden konnte. Das man Mut finden konnte auch wenn man nicht weiß wo man suchen soll.
Ich bin sicherlich nicht das beste Beispiel dafür optimistisch und fröhlich durchs Leben zu gehen.
Aber ich würde es gerne. Und ich weiß wie man es schaffen kann. Und vorallem weiß ich das es mir geholfen hätte wenn damals schon jemand zu mir gesagt hätte "Halt den Kopf hoch, irgendwann ist das vorbei und dann werden sie alle staunen was zu kannst.".
Zusammenfassend habe ich nie gewusst was ich machen will, und mit meiner labilen Psyche momentan, angenagt durch jahrelanges Ignorieren, ist es sicherlich auch nicht ratsam mich jetzt zu fragen ob ich zuversichtlich bin alles hinzubekommen.
Ich weiß nur das ich immer denke Gott hat was gegen mich. Ich glaube nicht wirklich an einen Gott, aber man sagt das ja trotzdem immer so und hofft das da was ist das einen retten wird.
Am 05.10. aber hat "Gott" sich gedacht das er mir eine Chance geben möchte, das er nicht will das ich sterbe.
So versuch ichs mir zu erklären. Ich habe auf einmal nach Jahren dann doch bekommen was ich wollte, ich habe endlich meinen Lehramtsstudienplatz.
Auf Nachrückverfahren, aber ich habe ihn bekommen als schon niemand mehr damit rechnete und ich kurz davor war, die Bewerbungsfotos schon in der Hand, mich für eine Ausbildung zu bewerben die ich nie machen wollte.
Zukunftsängste haben wir alle. Und das ist wahnsinnig kräftezehrend. Und wer nicht in guter Gesellschaft ist die ihn oder sie auffängt kann daran kaputt gehen.
Ich habe Angst es nicht zu schaffen, zu dumm zu sein, später im Beruf zu versagen...
Und morgen ist mein erster Tag im neuen Studium und ich habe Angst. Angst vor den Menschen. Angst vor der Herausforderung. Angst das mích alle ignorieren und nervig finden. Angst unterzugehen.
Aber ich versuche immernoch Kraft aus irgendeiner Ecke zu ziehen um mich selbst zu pushen.
Dadurch wurde mein ganzer Plan umgeworfen, aber ich weiß das man so eine Chance nur selten bekommt und das es das ist, neben meinem Traum, was ich werden will.
Daher mache ich mich ängstlich und kraftlos auf den Weg in meine Zukunft, mit Aussicht im Januar verspätet meine Therapie zu machen. In den Semesterferien. Und ich hoffe und bange das ich das erste Semester mit Bravour meistere. Ein enormer Druck für jemanden der jeden Tag neu überlegt allem ein Ende zu setzen.
Ich will immernoch sterben.
Gerade vorgestern habe ich auf meinem Bett gelegen und mir gewünscht irgendwas würde passieren das ich einfach weg bin. Jeden Tag kämpfe ich mit den Gedanken. Jeden Tag will etwas in mir aufgeben und bringt mich dazu das ich mich übergeben will weil ich trotzdem versuche dagegen anzugehen.
Es fühlt sich an als würde ich etwas gegen meinen Willen machen. Als wäre es eine Bestrafung obwohl es doch etwas Gutes ist. Aber darüber habe ich bereits geschrieben, über meine Lebensmüdigkeit und Unlust, über mein fehlendes Vertrauen in die Menschen, meine Wut und meine Traurigkeit.
Ich habe einfach das Gefühl das Leben hält nichts mehr für mich bereit worauf ich wirklich warten möchte.
Aber das führt zu weit und kann in einem anderen Post noch einmal genauer beleuchtet werden.
Letztlich geht es darum einen Weg für sich zu finden, und auch wenn man glaubt aus der Pubertät entflohen zu sein.
Ich bin immernoch das kleine, pummelige, aggressive, missverstandene, ängstliche Mädchen das Angst hat und sich verstecken will.
Nur mit dem Unterschied das ich diesmal jemanden dabei habe der mich beschützt.
Eine junge Frau mit lauter Stimme, Selbstbewusstsein und geradem Rücken.
Sie zieht mich aus der Ecke raus und stemmt die Hände in die Hüften während sie auf die bösen Menschen hinunterblickt und mich aufmunternd anlächelt.
Mich selbst.